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BVMW Rüdiger Nehberg – Survivalpapst und mehr – vor allem mehr!

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Diesmal hat sich der BVMW selbst übertroffen. Normalerweise sind die eingeladenen Redner natürlich eloquente und erfahrene Sprecher, die zu Themen rund ums Unternehmen Input geben. Beim 12. Business-Treff kam dann Rüdiger Nehberg. Klar kannte ich den, das war doch der Mann, der in meiner Jugend immer mal wieder im Fernsehen war und zeigte, wie man ohne irgendwas in der Natur überleben kann. Da ich noch nie ein wirklicher Outdoor-Fan war und mir der von meinen Eltern innig geliebte Camping-Urlaub auf Fehmarn die Frage auferlegt hat, ob ich vielleicht adoptiert wurde, war das nicht wirklich meine Baustelle. Ich lebe in der Hoffnung, dass ich niemals in die Situation komme, mehr als einen halben Tag in der freien Natur alleine überleben zu müssen. Deswegen waren meine Erwartungen offen, dachte ich doch, dass er wahrscheinlich das Überleben in der Wildnis mit Managementqualitäten verknüpfen würde und harrte eines unterhaltsamen Abends.

Was dann jedoch kam war überwältigend. Rüdiger Nehberg kam auf die Bühne und erzählte von seinem Leben. Von den Anfängen als Bäcker – mit einer Leidenschaft für Karikaturen aus Marzipan, coolen Slogans („Es gibt schlechtere“) und einer Kampagne Pro Kuchen, der die Zähne nicht krank machen würde, was nämlich nur auf schlechtes Putzverhalten zurückzuführen sei und schon erntete er einen Lacher nach dem anderen und die Anerkennung für sein offensichtlich angeborenes Marketingtalent. Natürlich kam dann auch die Episode seines Lebens in der er sich mit dem Überleben in Extremsituationen auseinandersetzte. Von der Kletterwand in der Backstube bis hin zum Geschmack von Insekten, 1000 km Märsche ohne Nahrung durch Deutschland und dem Wildschweinfangen mit der Hand. Doch dann folgte der Menschenrechtler Nehberg, der von Geschehnissen erfährt, die er nicht tolerieren kann und der was macht. Und wie er macht. Mit einer Leidenschaft und Vitalität setzt er sich konsequent gegen Missstände ein, die so doch nicht sein können und dürfen.

Während er erzählt ist der ganze Raum still, alle sind fasziniert von dieser Agilität, diesem konstruktiven Zorn und diesem unbändigen Willen zur Veränderung. Er erzählt wie sehr ihn die Situation der Yanomami-Indianer in Brasilien berührt hat, die von mafiösen Goldsuchern bedroht, vertrieben oder umgebracht werden. Das berührte jeden, aber Rüdiger Nehberg macht dann was dagegen. Und wenn es zwanzig Jahre dauert, er seine Seekrankheit überwinden muss und Nahtoderfahrungen beim Kampfschwimmertraining über sich ergehen lassen muss um sein Ziel zu erreichen, nimmt er das in Kauf. Freunde werden vor seinen Augen umgebracht und auch sein eigenes Leben ist mehr als einmal in Gefahr – aber mit dem Ziel im Blick überwindet er alles und schafft es. Der Schutz der Indianer wird auf Regierungsebene gehoben und durch seine spektakulären Aktionen (zum Beispiel drei Atlantiküberquerungen in Tretboot, mit Floß und massivem Baumstamm) gelingt ihm das Unmögliche: ein Mann bewegt ein ganzes Land. Wenn man jetzt denkt, dass es das war, weit gefehlt. Das nächste Unding ist schnell gefunden: die Beschneidung der Frau. Er mobilisiert Sultane, Hardliner und Muftis und schafft eine Sensibilität und Wahrnehmung auf oberster Ebene. Jetzt gilt es das Wissen, dass die Beschneidung der Frau von den höchsten religiösen Führern als Verbrechen am Koran, gegen die Ethik des Islam angesehen wird bis in die hintersten Winkel zu bringen und die alten Traditionen zu durchbrechen und ihre Ausführenden zu überzeugen, die diese scheusslichen brutalen Rituale bis heute für wichtig erachten. Bis heute kämpft er darum, dass Mädchen in Afrika nicht mehr beschnitten werden. Am Ende seines Vortrags erwähnt er seinen aktuellen Lebenstraum, ein Banner in Mekka so dass für alle Gläubigen sichtbar wird, dass Beschneidungen Sünde sind. Dabei erwähnt er, dass ihm nicht mehr so viel Zeit bleibt, denn immerhin ist er ja schon 81 Jahre alt. Ich bin fassungslos. Dieser inspirierende Wirbelwind soll 81 sein? Nicht zu fassen.

Wenn Ihr wollt, werdet Mitglied in seinem Verein Target. 15 Euro Jahresbeitrag für eine so gute Sache. Ansonsten findet man unter dem Link www.target-nehberg.de auch noch weitere Informationen.

Rüdiger Nehberg hat mir im Anschluß an die Veröffentlichung eine zauberhafte Mail geschrieben. Neben wunderbaren Worten des Lobes und Dankes hat er mich auf zwei Dinge in meiner Sketchnote hingewiesen:

Erstens: Ich habe Kamele gezeichnet, es müssten aber Dromedare sein, da Kamele in Asien beheimatet sind und bei der Karawane der Hoffnung natürlich nur einheimische Tiere mit von der Partie sind. Denkt Euch bitte einen Höcker weg 😉

Zweitens: Da ich mich nicht gut mit Wasserfahrzeugen auskenne, ist mir auch hier ein Fehler unterlaufen. Denn ich bin davon ausgegangen, dass ein Einbaum ein Baumstamm ist, den man ins Wasser schmeisst und dann geht es los. Tatsächlich ist ein Einbaum ein Boot, dass man aus einem einzigen Stamm gehauen hat. Rüdiger Nehberg hat aber den Atlantik tatsächlich auf einem echten Baumstamm überquert. Ein Unterschied, der die ganze Aktion noch beeindruckender macht. Da ich es im Moment nicht schaffe, die Zeichnung neu zu machen, diese schriftliche Korrektur.

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